Yvonne die Burgunderprinzessin

König Ignaz betört seine Frau

Inszenierung des Spürbar Theaters
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W. Gombrowicz

Yvonne, die Burgunderprinzessin
Königlicher Dünkel entlarvt sich selbst

Spürbar Theater überzeugt bei "Yvonne - die Burgunderprinzessin"

Von Juliane Kern

Aachen. Dabei zeugte die Inszenierung von "Yvonne - die Burgunderprinzessin" durch das Spürbar Theater von einer außergewöhnlichen Leistung des Ensembles. Der Gruppe unter der Regie der Theater- und Tanzpädagogin Nicole Erbe gelang es, der schwarzen Komödie einen aktuellen Bezug zu geben und der westlichen Hautevolet den Spiegel vorzuhalten. So rückt das Ensemble beispielsweise einen Silikonbusen an die Stelle einer Korsage, um so die Vergänglichkeit und Künstlichkeit von Schönheit zu skizzieren. Ein Klatschmagazin dient Prinz Philipp als Unterhaltungsmedium.

"Man kann mit ihr alles machen. Mit ihr ist alles erlaubt", und so wird Yvonne gestoßen und geschubst, beleidigt und verletzt, sexuell belästigt und herabgesetzt. In Anbetracht von Yvonnes Häßlichkeit, entdeckt die königliche Familie ihre eigenen Schwächen: Yvonne hält ihnen den Spiegel vor. Die Königin entdeckt das poetische Unvermögen, von dem ihre Gedichte zeugen, und der König bemerkt, wie sich sein Leben auf den animalischen sexuellen Trieb reduziert. "Töten" lautet der einvernehmliche Beschluss des Hofes. Erst als Yvonne - der Konvention entsprechend - an der verschluckten Gräte eines gefährlichen Fisches elendig stirbt, erlangt der Hof seine vermeintliche Würde zurück.

Die Inszenierung des Spürbartheaters zeugte von außergewöhnlicher Kreativität: Yvonne wird - auf einen Karren gestellt - in die Handlung eingeführt. Sie trägt ein verschnittenes Blumenkleid, das einem Putzkittel ähnelt, sowie mit Knieschonern ausgestattete lilafarbene Leggins. Bei der Gestaltung der übrigen Kostüme zeigte sich das Ensemble ebenso einfallsreich. Hinzu kommen filmische Elemente: Auf eine Leinwand wurde die überdimensional große "Fratze" von Yvonne projiziert, die den König und seine Frau im Schlaf heimsucht.
Auch tänzerische Einlagen hat das Ensemble in das Stück integriert: So führt Yvonne im Angesicht des schlafenden Königspaares einen plumpen Tanz auf, der gleichzeitig eine extreme Körperbeherrschung der Darstellerin erfordert. Obwohl die Burgunderprinzessin kein einziges Wort spricht, gebührt der Schauspielerin Anne Dauberschmidt wohl der größte Respekt sich so hässlich, plump und unappetitiich zu geben, dürfte der Amateur-Darstellerin höchste Anstrengungen abverlangt haben.