Video scrabble

Bühnenkritik: „scrabble“

Zwei Männer und eine Frau treffen sich auf einem idyllischen Plateau. Dumm nur, dass vor tausenden Jahren der Turmbau zu Babel dazu führte, dass die Menschen unterschiedliche Sprachen sprechen. Denn Wolfgang ist Deutscher, Martin Belgier und Lieneke Niederländerin. Diesem Dreiklang euregionaler Sprachen ordnet Regisseurin Nicole Erbe jeweils die drei Disziplinen Technik, Poetik und Sport zu. Wolfgang war früher einmal Pilot und ist auf der Suche nach einer ganz bestimmten Wolkenformation. Jochen Deuticke verleiht dem introvertierten Technikfreak eine typisch deutsche Akkuratheit. Ihm gegenüber mimt Luc Schiltz den verletzten Poeten. Die Trennung von seiner Frau Colette versucht er im Rezitieren französischer Lyrik zu verarbeiten. Die Ereignisse überstürzen sich, wenn die sportliche Evelyne Verhellen alias Lieneke die Szene betritt. Wie in einer klassischen Dreiecksbeziehung kommt es zu ersten Annäherungen. Doch bald wird klar, dass alle so ihre Problemchen haben, die sie nicht mehr von der Lichtung entkommen lassen …

Scrabble ist ein Spiel, bei dem die Spieler aus zufällig gezogenen Buchstaben Wörter legen müssen. „scrabble“ ist ein Stück, bei dem die Macher aus gezogenen Eindrücken aus der Region ein Schauspiel ‚gelegt’ haben. Bühnenbildnerin Dorthe Goeden, Musikerin Sonja Mischor und Kameramann Bernd Weishaupt haben im medialen Zusammenspiel eine Bühne und Akustik geschaffen, die so abwechslungsreich und lebhaft ist, wie das Leben in der Euregio selbst.In einer schweißtreibenden voyage à trois hetzt die gelernte Tänzerin Nicole Erbe die Schauspieler in perfekter Choreografie über die Bühne. Wenn sich Wolfgang und Martin prügeln, dann erinnert ihr Gebaren mehr an Tanz, als an rüde Gewalt. Die momentane Ausweglosigkeit jedoch führt die drei unweigerlich zusammen. "Allerdings nur so lange, wie eine Wolke benötigt, um ihre Form zu ändern."

Erbe führt mit "scrabble" ein unterhaltsames und rasantes Stück Alltagsabsurdität auf, in dem man als Zuschauer immer wieder die eigenen kleinen Macken des Lebens entdeckt.  ///            Felix Giesa
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