Pygmalion

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AN 19.Okt.11
AZ 16.Okt.11
Moviebeta 11/11

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WDR zeigt Bauernhofimpressionen

 

 

Aachener Nachrichten 19.10.11
Anke Hinrichs

Feingliedrige Pygmalionfigur und Tänzerin mit Bodenhaftung

Deutsch-schweizerische Compagnie GangWERK beeindruckt in der Barockfabrik

Der arme Pygmalion! Er möchte doch so gerne lieben, aber wird immer wieder von den Frauen enttäuscht. Also erschafft sich der Jüngling „Galatea“, eine Kunstfigur aus Elfenbein, hofft inständig auf Belebung derselben und- wird erhört.
 Soweit Ovid in den Metamorphosen über die Erfüllung eines lange gehegten Wunsches.

Die deutsch-schweizerische Compagnie „GangWERK“ transportiert den Stoff ins Hier und Jetzt, und beeindruckt mit einer  durchdachten Inszenierung in der Barockfabrik. Mit dem jungen Berliner Schauspieler und Tänzer Daniel Damm schuf die Aachener Regisseurin Nicole Erbe eine feingliedrige Pygmalionfigur, rastlos, verzweifelt und zerrissen. Nach seinem Geschmack suchend, das ihn vollkommen machen würde, tanzt er geschmeidig durch sein Reich: ein enger Dachboden gewährt ihm und seiner Statue den Raum, den sie brauchen. 

Unter Wäscheleinen mit trocknenden Hosen und Hemden dann der Moment des Erwachens: „Ihr seid nicht im Stande, aber mein Kuss kann es“, ruft Pygmalion, und in die Figur fährt Leben, staksig beginnt „Gala“ Arme und Beine auszuprobieren, wird tatsächlich zum Gegenstück Pygmalions.

Reizvoller Gegenpart
Anne Dauberschmidt spielt die Gala, entschlossen, dynamisch und kein bisschen kopflos stolziert sie und gibt klare Anweisungen. Dauberschmidt ist Tänzerin, aber keine feingliedrige Elfe, sondern eine gestandene Frau, die nie über die Bühne schwebt, immer behält sie Bodenhaftung und ist somit ein reizvoller Gegenpart zu Damm.

Aber sie ist auch Schweizerin und parliert ganze Sequenzen in Schwyzerdütsch, selbst Pygmalion versteht oft nur noch „Fondue“.
 An diesem Punkt setzt wieder der Tanz an, dort wo Worte nicht verstanden, Sprache nicht erschlossen werden kann, entsteht ein Spiel zwischen Verstehen und Tanz.
 „Mich reizt die Mehrsprachigkeit“, so Nicole Erbe, die schon vor drei Jahren in dem dreisprachigen Theater-und Kunstprojekt „scrabble“, das unter anderem vom Land NRW und der Stadt Aachen gefördert wurde, mit dem Ineinandergreifen von Sprache und Tanz gespielt.

Erbe reizt aber auch dar Hintergründige, Wasser wird als Geräusch, aber auch als reales Symbol auf der Bühne eingesetzt. Töne von klackernden Fahrradritzeln und Echos dehnen die Augenblicke bewusst aus,  die im Spiel zwischen Realität und Illusion schweben.

Mit ihrer spannenden Interpretation des Ovidschen Stoffes geht die von der Schweiz wie auch von der Stadt Aachen geförderte Compagnie GangWERK erst einmal auf Tournée in die Schweiz. Ab April nächsten Jahres sind sie mit ihrem „Pygmalion“ dann im Theater99.